Das Schweigen der Schwerter
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Im Staub der Städte, wo der Rauch nicht weicht,
steht Atlas stumm, vom Lärm der Welt erreicht.
Er trägt die Trümmer zerriss’ner Himmel tief,
die Erde bebt, wo einst der Frieden schlief.
Ein Phönix sucht im Schutt nach neuem Glanz,
doch Asche brennt im wilden Kriegstanz.
Er will steigen, die Wunden sanft zu heilen,
doch muss er die Glut mit den Opfern teilen.
Ein Ikarus steigt auf ins rote Licht,
wo Eisen brennt und jedes Versprechen bricht.
Er will die Bomben im Flug berühren,
um sie vom Ziel ins Nichts zu führen.
Doch Hitze zieht durch Papier und Sehne,
sein Sturz verhallt im Geheul der Sirene.
Er fällt, wo Feuer durch die Himmel schreitet,
und jede Hoffnung schwarz im Rauch sich kleidet.
Ein Pegasus läuft durch das Trümmerfeld,
wo Hass die Herzen in Ketten hält.
Er sucht ein Wort, das die Waffen zwingt,
eh noch ein Haus im Feuer versinkt.
Am Rande des Feldes steht Kassandra allein,
ihr Rufen bricht an der Mauern Stein.
Sie kennt den Weg aus dem dunklen Grauen,
doch niemand wagt, ihrem Wort zu vertrauen.
Ein Orpheus geht durch die Nacht aus Blei,
sein Lied so leise, als wär’s einerlei.
Er spielt für die Toten, die keiner nennt,
bis selbst der Wind im Schweigen brennt.
Nemesis Schritte hallen durch die Zeit,
ihr Schatten wächst in der Grausamkeit.
Sie zählt die Schuld, die niemand bekennt,
und wartet, bis die Stunde sie nennt.
So stehen sie stumm im verbrannten Land,
die Rettung so nah und doch außer Hand.
Sie weichen nicht aus dem Ruß der Nacht,
bis tief in der Erde ein Hoffen erwacht.
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