Das Feld nach dem Brand

Ein Gedicht von Robert Späth
In der Sekunde,
in der du gingst,
verlernte die Welt ihre Namen.
Worte standen noch da,
aber sie bedeuteten nichts mehr.
Wie Seiten eines Buches,
aus dem der Sinn herausgerissen wurde.

Ich trage dich nun
nicht in Erinnerungen,
sondern im Blut.
Jeder Gedanke fließt
durch dein Fehlen,
kehrt gefärbt zurück,
und kennt keinen anderen Weg mehr.

Die Zeit bewegt sich,
doch sie nimmt mich nicht mit.
Sie geht an mir vorbei
wie ein Fluss,
in dem ich knietief stehe
und ertrinke,
ohne zu fallen.

Alles in mir spricht noch mit dir.
Ich denke Sätze,
die nirgendwo ankommen.
Ich halte Antworten bereit
für Fragen,
die nie mehr gestellt werden.
Hohl klingt Liebe,
wenn sie keinen Körper mehr findet.

Nächte legen sich
auf meine Brust
wie schwere Dunkelheit.
Sie atmen ruhig,
während ich träume,
was ich verloren habe,
bis auch das Träumen
zu schwer wird.

Ich suche dich
in Geräuschen,
im Licht,
im Schweigen zwischen zwei Atemzügen.
Nicht, weil ich glaube,
dich zu finden —
weil alles andere
unerträglich leer ist.

Das Jetzt liegt offen vor mir,
wie ein Feld nach dem Brand.
Nichts wächst.
Nichts verspricht.
Und irgendwo darin
steht mein Herz,
verrußt,
wartend,
noch immer überzeugt,
dass Liebe zurückkehren müsste,
wenn man nur lange genug
an sie glaubt.

Informationen zum Gedicht: Das Feld nach dem Brand

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25.01.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Robert Späth) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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