Das erste zarte Erwachen
Ein Gedicht von
Robert Späth
Das Dunkel weicht zurück wie ein besiegter Ozean.
Aus den Winkeln der Erde steigt ein erster, lauwarmer Atem aus nassen Gras.
Es ist die Stunde, in der die Dinge ihre Form zurückfordern,
schüchtern noch, wie Konturen, die sich im Wasser spiegeln.
Ein dünner Streifen aus Kupfer, süßem Pfirsichfleisch
öffnet leise den Saum des Horizonts.
Wie das vorsichtige erröten, eines weichen, warmer Luftstromes,
der über die schlafenden Dächer weht.
Die Schwalben werden wie erste, hastige Tintenkleckse
in den noch blassen Himmel geworfen.
Ein lautloses Fluten durch das offene Fenster
sucht deine Haut, die noch im tiefen Schatten ruht,
bis dieses zaghafte Glühen dein Gesicht berührt.
Das schwere, dunkle Brot der Nacht ist aufgezehrt –
die Welt teilt, ihr erstes, warmes Licht des Tages.
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