Brunhilde

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Brunhilde ist dreiundachtzig,
gebrechlich und sehr einsam.
Oft spielen wir Rommee-Cup,
oder Kniffeln auch gemeinsam.

Ich drücke auf den Klingelknopf
und muss sehr lange Warten.
Sie bewohnt ein großes Haus.
Mein Blick fällt in den Garten.

Die Büsche sind geschnitten,
die Beete sehr gepflegt.
Jetzt höre ich ganz deutlich,
dass sich drinnen etwas regt.

Sie schaut mich verwundert an,
ich kann ihre Blicke lesen.
"Ich bin pünktlich", sage ich,
"wir sind verabredet gewesen."

Heute sieht sie gut aus,
ihr Blick ist wach und klar.
Scheinbar habe ich sie geweckt,
sie richtet rasch ihr Haar.

Sie schiebt ihren Rollator
schwerfällig vor sich her.
"Schön, dass du gekommen bist,
ich wusste es nicht mehr."

"Wir haben gestern telefoniert
und den Termin gemacht."
"Das wird sicher auch so sein,
hab´ nicht mehr dran gedacht."

"Komm erst mal in die Stube
und leg deine Jacke ab,
dann spielen wir in Ruhe,
eine Runde Rommee-Cup."

Ich räume ihren Tisch ab,
weil sie es nicht mehr kann.
Ihr Ehrgeiz ist bereits geweckt,
- das sehe ich ihr an.

Nach drei Stunden Rommee-Cup,
geht mir die Puste aus.
"So, jetzt wird es Zeit zu gehen."
"Musst du schon nach Haus?"

Informationen zum Gedicht: Brunhilde

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03.03.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Gudrun Nagel-Wiemer) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.