Bleiberecht

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Er war Stürmer.

Vor dem Tor
verwandelte er
Augenblicke in Hoffnung.

Auch unter Wasser
kannte er seine Zahl:

neunundvierzig.

Im Freibad
lag der Sommer
blau und unschuldig
im Becken.

Dann fehlte der Junge
an der Oberfläche.

Seine Eltern unterschrieben,
damit aus seinem Tod
Zukunft wurde —

für Kinder,
deren Sekunden
weiter zählten.

Die erste Unterschrift
öffnete Leben.

Später
legte der Staat
ein zweites Papier vor.

Die zweite Unterschrift
schloss ein Land.

Was von ihrem Sohn
in anderen Kindern weiterlebte,
durfte bleiben.

Nur seine Eltern
mussten gehen.

Informationen zum Gedicht: Bleiberecht

24.08.2026
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