Am Rand der Straße (Song)

Ein Gedicht von Horst Bulla
[Strophe 1]
Der Rentner von nebenan sitzt früh am Fenster, schaut hinaus,
sein Leben passt in eine kleine Tasche, sein Mut in einen grauen Tag hinaus.
Fünfhundertdreiundsechzig Euro, sechs Euro einundfünfzig pro Tag für Essen und Getränke –
ein Monat, der nie hält,
und jeder Einkauf zeigt ihm, wie der Staat sich still sein Bürgergeld zurückholt,
Stück für Stück, Steuern aus seinem Geld.
Er wärmt die Hände an der Tasse, die schon lange kalt geworden ist,
und fragt sich leise, wann man alte Menschen so vergisst.

[Strophe 2]
Die kleine Tochter der Nachbarin steht allein im Schulhof da,
die Schuhe drücken ihre Zehen, doch neue sind nicht bezahlbar.
Die Kinder spielen weiter, drehen sich weg, als wär sie Luft,
und sie schluckt den Schmerz hinunter, sammelt ihren kleinen Rest von Mut.
Ihr Pausenbrot ist dünn, ein Stückchen Brot, ein Tropfen Kraft,
und sie träumt von einem Leben, das ein bisschen Wärme schafft.

[Refrain]
Am Rand der Straße, wo die Hoffnung langsam bricht,
leben Menschen ohne Stimme, ohne Schutz und ohne Licht.
Ein Leben voller Hunger, voller Sorgen Tag für Tag,
und oben zählt man Diäten, während unten keiner mehr kann.
Das ist das Lied der Vergessenen, das niemand hören will,
doch es klingt durch jede Straße – leise, traurig, still.

[Strophe 3]
Die Mutter aus dem dritten Stock versteckt die Tränen jeden Tag,
sie kocht aus fast nichts ein Abendessen, damit die Kinder glauben, dass sie’s vermag.
An der Tafel, gab es heut nur einen halbleeren Beutel –
die Schlange stand unendlich lang, die Armut immer größer.
Sie zählt die Münzen auf dem Tisch, dreht jeden Cent dreimal um,
und wenn die Rechnung kommt, wird ihr Herz schwer und stumm.
Sie weiß, dass morgen wieder Sorgen warten,
und dass der Staat sich aus Verantwortung stiehlt – seit Jahren.

[Strophe 4]
Der Vater, der verzweifelt ist, sitzt nachts am Küchentisch,
die Mahnungen stapeln sich, die Angst frisst ihn innerlich.
Er war mal stark, ein Fels, ein Mann, der alles trug,
doch jetzt bricht er unter Lasten, die kein Mensch ertragen kann genug.
Er fragt sich, wo der Eid blieb,
den Wohlstand zu mehren, Schaden vom Volk zu halten,
den man dem Volk versprach,
und warum man Schwüre bricht – Tag für Tag.

[Refrain]
Am Rand der Straße, wo die Hoffnung langsam bricht,
leben Menschen ohne Stimme, ohne Schutz und ohne Licht.
Ein Leben voller Hunger, voller Sorgen Tag für Tag,
und oben zählt man Diäten, während unten keiner mehr kann.
Das ist das Lied der Vergessenen, das niemand hören will,
doch es klingt durch jede Straße – leise, traurig, still.

[Bridge]
Kindertränen auf dem Kopfkissen, Mütter, die im Dunkeln flehn,
Väter, die an Lasten brechen, weil sie keinen Weg mehr sehn.
Zwangswohnungsräumungen, Hartzt-4 Depressionen, Hartzt-4 Suizide,
Kleiderkammern, Tafeln, Suppenküchen –
Bettler, die auf Straßen frieren, Obdachlose, die langsam sterben,
Armutsgräber über Armutsgräber – ohne Namen, ohne Erben.
Und karitative Hände versuchen, das Loch im Herzen zu füllen,
doch sie können nur lindern, was Politik nicht will.

[Strophe 5]
Jugendliche, die früh schon lernen, dass Träume teuer sind,
dass man mit Bürgergeld kein Leben baut, kein Licht gewinnt.
Armutsrentner, die sich schämen, weil sie nicht mehr zahlen können,
Familien, die sich verschulden, nur um weiter zu bestehen.
Und jeder weiß, dass dieser Hunger nicht von Gott kommt,
sondern von Entscheidungen, die man oben trifft – und unten prompt.

[Refrain]
Am Rand der Straße, wo die Hoffnung langsam bricht,
leben Menschen ohne Stimme, ohne Schutz und ohne Licht.
Doch wenn wir zusammenstehen, wenn wir nicht länger schweigen,
kann ein Funken in den Herzen brennen – und die Welt sich endlich neigen
zu Gerechtigkeit, zu Menschlichkeit, zu einem Leben ohne Leid.
Am Rand der Straße wächst ein Ruf nach einer besseren Zeit.

© Horst Bulla

https://youtu.be/iwieKc4B5rs

Informationen zum Gedicht: Am Rand der Straße (Song)

14.10.2026
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