Am liebsten hört er sich selbst reden
-Fiktion -
Er erlaubt keine Gegenfragen,
lässt keinerlei Denkpausen aufkommen.
Geistige Verarbeitung des Gehörten
wird Zugetexteten verunmöglicht.
Ihr Denken wird blockiert, zum Selbstschutz
schalten sie auf Durchzug.
Jeder Sprechversuch wird abgewürgt,
er lässt sie nie zu Wort kommen.
Fragen zum Verständnis oder Einwände
sind bei ihm absolutes Tabu.
In immer schnellerem Sprechtempo
monologisiert er, ohne Betonung.
Er ereifert sich, ist nicht zu bremsen,
gibt Kompetenzen ungefragt zum Besten.
Bandwurmsätze reihen sich aneinander,
verschlingen sich zum Wortsalat.
Nie fragt er nach, ob er verstanden wird,
ob man seinen Ausführungen folgen kann.
Es interessiert ihn nicht, ob das Thema
für andere von aktuellem Interesse ist.
Er stülpt ihnen kübelweise „Weisheiten“
über, ob sie dies hören wollen oder nicht.
Diskussionen lässt er nicht aufkommen,
Stellungnahmen seiner Zuhörer
sind für ihn ohnehin ohne Belang.
Er hört am liebsten sich selbst reden
und das ohne Punkt und Komma.
Je weniger er von anderen verstanden wird,
desto kompetenter wähnt er sich.
Dieses „Selbstbild“ will er durch andere
nicht in Frage stellen lassen, bietet ihnen daher
keine Angriffsfläche, indem er sich jedem
verbalen Zugriff komplett entzieht.
Das könnte Sie auch interessieren