5. Die Linie, die nicht mehr ganz gerade ist
Ein Gedicht von
Lewin Dunkel
5. Die Linie, die nicht mehr ganz gerade ist
Eine leise Verschiebung der Form
Die Linie steht noch,
doch ihr Verlauf trägt
einen kaum sichtbaren Bogen,
ein feines Abweichen
vom gestrigen Stand.
Sie hält den Raum anders,
als hätte sie
ein Stück ihrer Strenge verloren.
Die Fläche bleibt ruhig,
doch an der Kante
liegt ein Hauch von Zögern,
ein sanftes Gleiten
unter der Geometrie.
Der Blick folgt ihr,
unsicher,
ob sie noch dieselbe ist.
Nichts bricht,
nichts fällt,
doch die Linie tritt
einen Schritt daneben,
schmal, unentschieden,
und legt sich in die Form,
als würde sie prüfen,
wo sie künftig stehen will.
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