Vor dem Kamin

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Weil im Kamin die rote Glut
erlöschend wahre Wunder tut,
wollte keiner von uns ins Bett,
denn auf der Couch war es so nett.
Und so stillten wir bei Kerzen
das wilde Klopfen unsrer Herzen.

Hände fühlten hier und da
nackte Häute waren sich nah.
Zarte Finger strichen über Rücken,
Kniee rieben voll Entzücken.
Mit ruhigem sauberen Gewissen
wurde der Apfel beidseitig zerbissen.

Übrig blieben beim Licht der Sterne,
nur noch symbolische Apfelkerne
und vom stillenden Ruck-Zuck,
der Korken und der letzte Schluck.
Die Lippen sind noch etwas schwach,
denn sie waren lange wach.

Heute kann kommen was da will,
wir wiederholen es ganz still.
Die Sache hat nur ein Problem,
das macht den Tag unangenehm.
Wir sind auf unseren Kamin stolz,
doch wir haben kaum noch Holz.

05.01.2020 © Wolf-Rüdiger Guthmann

Informationen zum Gedicht: Vor dem Kamin

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05.01.2020
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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