Taubenliebe

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Ich wollte es erst nicht glauben,
doch bei uns lieben sich zwei Tauben.
Wenn wir Kaffee tranken, Kuchen aßen,
zwei Täubchen auf dem Dache saßen.
Keine beringten Brief- und Wandertauben,
die würde nur der Habicht rauben.
Wilde Tauben sind es, klein und zart,
weil der Taubenschöpfer doch gespart.

Erst saß an jeder Giebelgaube eine,
Männchen und Weibchen wie ich meine.
Doch sie flogen und landeten wieder,
ließen sich schon dichter nieder.
Beim letzten Sonnenstrahlenblitzen
sah ich sie nebeneinander sitzen.
Wo sie dann nachts sind abgeblieben
steht in den Sternen nur geschrieben.

Tagelang die Stürme sausten,
wer weiß, wo die Tauben hausten.
Doch gestern als die Sonne brannte,
das Taubenpaar keine Ruhe kannte.
Sie saß im Baum und handwerkte feste
an einem gut versteckten Neste.
Wir waren draußen beim Kaffee reichen,
da gab sie dem Männchen ein Zeichen.

Der kam durchs Blätterdach gerauscht,
ich hätt jetzt nicht mit ihm getauscht.
In luftiger Höhe musste er wippen,
schnäbelnd auf den Kopf ihr tippen.
Flatternd hielt er dabei Gleichgewicht,
fürchtend dass der Ast abbricht.
Doch der hielt, es ging vorbei,
er flog davon mit kurzem Schrei.

Nun sitzt sie einsam und verlassen,
darf das Brüten nicht verpassen.
Mal sehen, ob ihre Liebe fest gezurrt,
oder ob er neben einer Neuen gurrt.

28.09.2018 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Taubenliebe

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28.09.2018
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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