Sommerabendanfang

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Die Sonne sinkt, der Tag vergeht,
ein erstes zartes Lüftchen weht.
Eben noch grellen Tag wir hatten,
jetzt werfen erste Häuser Schatten.
Die Katze sich auf Pflaster ahlt,
weil es lange Wärme strahlt.
Der Hund sucht Kühle vorm Haus
und atmet selber heiße Luft nur aus.

Die Vögel sitzen in des Baumes Spitze,
die Blätter kühlen diese Hitze.
Die Wespe sich ihr Erdloch wählt,
die Hornisse schnell noch Flieder schält.
Nur der Storch stakt unentwegt,
weil sich im Graben etwas regt.
Auf dem Acker läuft nichts mehr,
nur noch Stoppeln ringsumher.

Bei Frauen sich der Moment ergibt,
wo sich neckt, was sich doch liebt.
Mutter singt im luftigen Rock:
„Heut such ich nen duften Bock.“
Vater versucht ihr pralles Leben
mit beiden Händen anzuheben.
Mutter wehrt sich mit der Spitze:
„Aber nicht doch bei der Hitze.“

Vater entgegnet mit Gefühl:
„In unserer Kammer ist es kühl.“
Alle Zuhörer lachen um die Wette,
als wenn der Abend etwas Besonderes hätte.
Stolz berichtet jeder dann,
was er an diesem Tag getan.
Auch wenn das Thermometer siegte,
Jeder seine Arbeit fertig kriegte.

05.08.2015 © Wolf-Rüdiger Guthmann

Informationen zum Gedicht: Sommerabendanfang

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05.08.2015
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