Glück gehabt

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Der Wind blies heute um das Haus,
die Katze wollte rein, der Hund dafür raus.
Ich dachte schon, die Haustür klemmt,
dabei hat sich der Sturm gestemmt.
Er versuchte wie einst der Kugelblitz
ins Haus zu kriechen durch einen Ritz.
Man hörte leere Eimer klappern,
als würde draußen jemand plappern.

Meine Frau gerade nach Hause kam
und nun ein Bad in der Wanne nahm.
Da knackte es direkt vorm Tor,
ein alter Baum steht doch davor.
Es knackte, brach, die Erde dröhnte,
als das Tor aufsprang, ich selber stöhnte.
Meine Frau stellt ihr Auto für die Nacht
unter jenen Baum, der gerade gekracht.

Oh Schreck, oh Graus, jetzt ist es hin,
ich muss hinaus, so wie ich bin.
Im Schlafanzug, den Pantoffeln zieren,
wollte ich mich draußen informieren.
Doch in der windig-feuchten Dunkelheit
kam ich überhaupt nicht weit.
Der ganze Hof voll Apfelbaum,
Äste, Zweige, man glaubt es kaum.

Zurück zur Frau, die im Badezimmer,
das Nachthemd anzog, wie immer.
Ich stotterte ihr leise, dass sie verlor
seltsamerweise Ihr Auto vor dem Tor.
Da lachte sie doch erfreut und laut,
als wenn sie sich vorher nicht getraut.
Beim Parken einen Pfahl übersehen,
würde alles in der Werkstatt stehen.

05.08.2017 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Glück gehabt

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05.08.2017
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