Die Scheibenwäsche

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Ein Mann wollte die Scheiben putzen,
um sein Auto schlierenfrei zu nutzen.
Und noch vor der Besucherwelle
rollte er an eine Tankstelle,
weil dort vor jedem Säulenschrank,
der bildertragend und sehr lang,
neben Werbung für Brötchen und Würste
ein Eimer steht mit Wasser und Bürste.
Er hebt die Fenster, schließt die Tür,
taucht die Bürste, wischt mit ihr.
Da schlürft‘ s im Eimer „Schlurf-schlurf-zeer“
und das Behältnis war ganz leer.
Da kein Rost den Zink zernagt,
hat unser Mann nen Blick gewagt.
Wir sind ja viel gewohnt durch Brüssel,
doch was er sah, das war ein Rüssel.
Auf leisen Füßen hatte ein Elefant
die Wasserstelle schnell erkannt.
Sein Treiber hatte in der Tasche
beim Ausflug keine Wasserflasche.
Auch Elefanten haben Durst,
da ist ihnen die Wasserquelle Wurst.
Noch drei Eimern den Inhalt entzogen,
ist er zurück in den Zirkus geflogen.
Der Scheibenwäscher hat ihm nachgesehen,
endlich ist mal was geschehen.

01.12.2016 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Die Scheibenwäsche

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01.12.2016
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