Die nackte Angst

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Teil 1, Der Befund
Neulich betastete ich beim Baden
mich vom Kopf bis zu den Waden.
Und ich fand als großen Schreck
auf der Brust eine Beule mit Fleck.
Welcher Arzt ist dafür pro?
Neurologe, Urologe oder HNO?
Der Hautarzt rettete mein Leben,
denn ich soll mich zum Frauenarzt begeben.

Ich zum Frauenarzt als Mann?
Ob ich da auch liegen kann?
Dieser Stuhl passt zwar für Mieder,
doch bestimmt nicht für alle Glieder.
Mutig wie wir Männer tun,
schlich ich in die Praxis nun.
Der Anmeldung war‘s terminlos egal,
sie machte eine Ausnahme mal.

Frau Doktor hörte mein Klagen an
und sagte nur: "Mein lieber Mann,
machen sie sich erst mal frei,
ich betrachte dann den Nackedei.
Es gibt es auch keine Vorteile für Vettern,
jeder muss auf den Stuhl hier klettern."
Es gibt Sagen, Märchen und Witze
über diese sonderbaren Sitze.

Was wird denn dann kommen,
hab ich erst den Stuhl erklommen?
Macht sie routinemäßig Knall und Fall
auch bei mir den Ultraschall?
Wie ein Affe auf den Schleifstein
stieg ich in den Gyn-Stuhl ein.
Und ich zeigte voller Heiterkeit
die schönsten Beine, weit und breit.


Frau Doktor nahte und blieb stehen,
um meinen Umfang zu besehen.
Und sie gab am laufenden Band
der Schwester meinen Zustand bekannt.

02.02.2018 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Die nackte Angst

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17.02.2018
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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