Die Kuckucksnelken

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Heute, und das sag ich ganz offen,
hab ich eine Schar Weiber getroffen.
Die erste war mollig,
aber zum Knutschen drollig.
Die in der Mitte
hatte viel Holz vor der Hütte.
Die Dritte an der Stelle
redete viel auf die Schnelle.

Die Vierte in Männersachen
kannte sich aus in vielen Sprachen.
Die Fünfte war äußerst schlau,
aber auch eitel wie ein Pfau.
Die Sechste war mehr lang als breit,
hatte aber keine Zeit.
Die Siebte sang wie eine Muse,
trug den Text in ihrer Bluse.

Die Achte wird erst noch gesucht,
die Vorgängerin ergriff die Flucht.
Hab ich nun etwa eine vergessen,
bei ihrem Auftritt war ich wie besessen.
Ich habe alle schnell studiert,
doch die Anzahl nicht notiert.
Namen sind wie Schall und Rauch
und deshalb auch nicht im Gebrauch.

Die Damen machen unsere Sprache
in Gesang und Sketch zur Herzenssache.
Sie sangen und tanzten die Kalinka,
sie buken und tranken aus dem Dingsda.
Heute war nun Weihnachtsfeier
für Lieschen Müller bis Helga Meier.
Einige sangen erst stotternd mit,
wer kennt den Text beim ersten Schritt?

Es gab Weihnachtsfreude und Weihnachtsfriede,
wichtig ist doch nur der Mitgesang vom Liede.
Die Sketche zeigten unsere Schwächen,
an denen sich die Dichter rächen.
Einsamkeit, aber auch Liebeslust
trug der Weihnachtsmann in seiner Brust.
Zum Schluss haben alle mitgemacht
beim Gesang der „Stillen Nacht.“

Die Damen in verschiedenen Nestern altern,
aber scharf würzend nicht welken,
drum nennen sie bei Besitzern und Haltern
sich nur die „Kuckucksnelken“.

05.12.2016 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Die Kuckucksnelken

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05.12.2016
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