Die Gratulationscour

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Viel zu schnell vergeht die Zeit,
und mein Geburtstag war nicht weit.
Ich dachte, es könnte nicht schaden,
Verwandtschaft und Freunde einzuladen.
Manchen konnte ich eine E-Mail senden,
oder eine SMS, getippt mit eignen Händen.

Andere als Gast zu Trunk und Kost
lud ich ein schriftlich ein per Post.
Und die Verbraucher von RTL bis Fox
erreichte ich als Anrufbox.
Hätt ich‘s lieber nicht gemacht,
ich hätt noch Ruh bei Tag und Nacht.

Doch alle wollten sich beeilen,
mir kommunikativ mitzuteilen,
dass sie an diesem Tage nicht zu Hause,
da sie dienstlich tagen in der Klause.
Einer brauchte nicht zu lügen,
er mache da gerade Urlaub auf Rügen.

Einen anderen hätte die Justiz geladen,
seine Steuern mal im Knast zu baden.
Selbst die trinkfesten Nichten und Neffen
seien dann zum großen Biker Treffen.
Und der Rest der erwarteten Gäste
sei bereits zu einem Hochzeitsfeste.

Als ich listete, wer mich nun trifft,
blieb nur noch die Überschrift.
Heute verschlossen wir das Haus
und fuhren in die Welt hinaus.
Ein Schiff stach gerade in See
und schnell enterten wir Luv und Lee.

Hier gibt’s Kaffee, hier gibt’s Kuchen,
hier muss man nicht mal Gäste suchen.
Und es kann auch keiner kommen,
es sei denn, er käme nachgeschwommen.
Auf dem Dampfer leuchtet W-LAN Licht,
drum sende ich euch dieses Gedicht.

09.08.2015 © Wolf-Rüdiger Guthmann

Informationen zum Gedicht: Die Gratulationscour

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10.08.2015
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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