Die Geburtstagsrunde

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Immer wenn bei uns Geburtstag ist,
man den Rückblick nicht vergisst.
Erst ist es nur das letzte Jahr,
von dem man erwähnt, was war.

Geburten, Hochzeit, Sterbefälle,
Hausneubauten an dieser Stelle.
Als letztes aus dem eignen Leben
die Erben sich die Hände geben.

Dann stehen die Eltern im Mittelpunkt,
weil es bei ihnen einst gefunkt.
Sie bestimmten lange mein Leben,
und das der Geschwister daneben.

Mancher findet mit der Zeit
zwischen Verwandten Ähnlichkeit.
Der Opa vererbt der Enkelin
neben den Augen auch das Kinn.

Und Martha die uralte Base
hatte damals die gleiche Nase.
Nur Onkel Heinrich findet das dämlich,
er sieht etwas seinem Nachbarn ähnlich.

Wir sind es von jeher gewöhnt,
dass sich jetzt alles übertönt.
Drum fangen wir schließlich dann
mit Elend, Flucht, Vertreibung an.

Alte Fotos werden herum gereicht,
die schon abgegriffen und gebleicht.
Erinnerungen machen die Runde
über manch gute und schlechte Stunde.

Automatisch wird das Thema übergeleitet
und der nächste Urlaub vorbereitet.
Bei Bier und Wein mit Schnaps und Weinbrand
diskutiert man über jedes Urlaubsland.

Terror, Erdbeben und Wetterunsicherheiten
dabei manches Problem bereiten.
Da der Zinssatz stetig fällt,
fehlt das obligatorische Urlaubsgeld.

Der Zeiger läuft, die Zeit vergeht,
der erste Gast im Mantel steht.
Die andern finden es auch genug
und rüsten sich alle in einem Zug.

Während die Besucher und Gäste gehen,
bleiben wir an der Haustür stehen.
Jeder denkt trotz Weinen und Lachen:
„Wie oft werden wir das noch machen?“

15.01.2017 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Die Geburtstagsrunde

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15.01.2017
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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