Der Tresor im Sarg

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Ich bin ein Geizhals im ersten Rang,
deshalb wird mir vorm Tod so bang.
Was wird dann mit meinem Geld,
bin ich nicht mehr auf dieser Welt?
Der Pfarrer den ich erst gefragt,
hat dabei zu mir gesagt:
Wir stehen nicht mit leeren Händen,
doch können sie es ruhig spenden.

Der Bürgermeister meinte dagegen,
mit Geld könnte man viel bewegen,
doch kriegt man es nicht zu fassen,
lagert es in schwarzen Kassen.
Ich rief bei einer Spendenstelle an,
jetzt stehen fremde Leute ihren Mann.
Dazu die Trinker, Fixer, Asylanten,
die das Geld von früher kannten.

Beim Spaziergang im Friedhofspark
dachte ich neulich an meinen Sarg.
Wenn man dort, wo keiner schaute,
einfach den gefüllten Tresor einbaute.
Ich würde nicht mit leeren Händen
irgendwo im Himmel enden.
So wie man auf Erden handelt,
man bestimmt auf Wolken wandelt.

Kränkelnd ging ich erst zur Pietät,
sagte nur, es ist noch nicht zu spät.
Fährt man den Sarg im schnellen Lauf,
fällt das Übergewicht bestimmt nicht auf.
Bestellt, geliefert, der Safe war fein,
ihn baute gleich ein Fachmann ein.
Dann stand alles stets griffbereit,
hinter der Haustür die letzte Zeit.
Bis zu jenem unheilvollen Tag,
als das Unwetter am Himmel lag.
Es goss 2 Tage in Strömen
zwischen Brandenburg und Böhmen.

Am dritten Tag Hochwasser kam
und meinen Sarg samt Safe mitnahm.
Ich hatte oben trocken in der Nacht
gar nicht mehr an ihn gedacht.

In der Zeitung konnt ich später lesen,
ein Sarg sei an der Elbemündung gewesen.
Ein Zeuge es nur seltsam fand,
dass die Kiste hochkant stand.

19.01.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann

Informationen zum Gedicht: Der Tresor im Sarg

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26.01.2019
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