Der Baum

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Selbst der größte Baum in unserem Land
aus einem kleinen Keim entstand.
Ein Vogel einst verlor im Flug
das Korn, das er im Schnabel trug.
Es fiel am Gartenzaun zur Erde,
auf dass ein Keimling daraus werde.
Mitten zwischen zwei hölzernen Latten,
wo es die Gärtner nicht gesehen hatten.

Und als ein Maler kam, den Zaun zu streichen,
seine Äste über den Zaun schon reichten.
Als nach drei Jahren der Maler wiederkam,
das Bäumchen schon viel Platz einnahm.
Das Bäumchen reckte sich, wuchs zu den Sternen,
der Maler musste zwei Latten entfernen.
Nach weiteren 3 Jahren kam der Maler wieder,
da lag der halbe Zaun darnieder.

Der Baum hatte sich ausgebreitet
und seinen Durchmesser erweitert.
Der Maler kam mit einer Säge angerannt,
den Baum zu kürzen mit starker Hand.
Als das ein Mann vom Amte sah,
war er dem Herzinfarkt fast nah.
So ein Baum, sei eine Rarität,
selbst wenn er ohne Qualität.

Die Nester, in denen Vögel Eier legen,
kann man nicht so schnöde absägen.
Außerdem steht irgendwo geschrieben,
der Schöpfer soll die Bäume lieben.
Der Baum ist jetzt zwölf Jahre alt
und hat bestimmt in der Erde Halt.
So hatten wir immer gedacht,
dass der Sommer ihm nichts macht.

Doch ohne Wasser gibt es keinen Wein
und auch unser Baum ging langsam ein.
Weil ihn Hitze und Trockenheit plagen,
ließ er vom Sturm sich die Äste abschlagen.
Nun steht er wie ein Mahnmal da
und ist dem Baumringkrampfe nah.
Sollte er jedoch zu sehr leiden,
werden wir ihn kurz über der Erde abschneiden.

22.08.2018 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Der Baum

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22.08.2018
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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