Das schönste Liebesgedicht

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
Neulich las ich in den Kommentaren,
was manche herbeiziehen an den Haaren.
Da wünschte sich einer als Bericht
das schönste deutsche Liebesgedicht.

Ihn trieb sicher ein schlechtes Gewissen,
weil er nicht geküsst hat, sondern gebissen.
Statt sie doch ganz zärtlich zu lieben,
hat er es nur grob mit ihr getrieben,

hat nicht in ihren feuchten Augen gesehen,
welches Ungemach ihr nun geschehen.
Denn er hat sie nur angefasst,
um zu sehen, ob alles passt.

Statt ihren starken Puls zu fühlen
und seinen eigenen Drang zu kühlen,
musste er am Stück ihre Brüste heben
und nach dem Glück der Venus streben.

Als sie endlich lag auf seinen Kissen
hat er ihr letztes Stück zerrissen.
Sie dachte immer, es käme die Liebe,
doch es waren stets nur seine Triebe.

Er war glücklich, weil sie vereint,
und merkte gar nicht, dass sie weint.
Sie weinte ganz still in sich hinein,
das sollte nun die wahre Liebe sein?

Er ließ sie so liegen wie sie lag,
und ging nach Haus am alten Tag.
Als er sie dann einmal wiedertraf,
sagte sie nur: „Du bist ein Schaf!“

10.12.2016 © W.R.Guthmann

Informationen zum Gedicht: Das schönste Liebesgedicht

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04.01.2017
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