Der Schatten

Ein Gedicht von Torsten Hildebrand
Es war einmal, in alter Zeit,
wo jedes Tier noch deutlich sprach.
Da gab es weder weit noch breit,
nicht Störenfriede, Ungemach.
Nur Seelenfrieden: Himmelblau.

Im Nadelwald, da lebt die Frau,
mit ihrem Schatten ganz allein.
Der Schweiss, der glänzt, wie Perlentau;
im funkelschönem Sonnenschein.

Der Schatten fand sich: gross wie klein,
ganz sehr korrekt; und wollte doch,
ein einzigartig' Schatten sein.
So trennte er sich von ihr noch,
als seine Frau, ihr Schläfchen hielt.

Der Schatten sich so leis' wegstiehlt:
von selig, schlafender Madam.
Und, wie er seine Freiheit fühlt,
empfiehlt er sich, ganz unsittsam.

Wohin der schatten zuerst kam,
das war ein altes Fischerhaus.
Dort wohnten wild und auch mal zahm,
gar selbst noch, auf dem Boden raus:
Vier Katzen und ein Eulenpaar.

Das Eulenpaar, spricht jetzt ganz klar:
" He Schatten, Schatten! machsten da?
Du bringst doch nicht zu uns Gefahr?
Was suchst du hier? So nah. So nah? "

Der Schatten, zu den Eulen sah,
und sagte ihnen, Welterpicht:
" Ich such für mich, das einzig' Ja;
das man von mir als Wunder spricht.
Mir haben's Farben angetan.

Vielleicht gescheckt, nach einem Plan.
Doch besser noch, ein Modetrend.
Ein Krönchen, wie ein schöner schwan.
Halt so was, was man gar nicht kennt.

Ach, wie mir, meine Seele brennt!
weil ich nur schwarz bin. Schattenschwarz.
Deswegen bin ich auch getrennt;
und will auch keine gegenparts.
Ihr Tiere! habt ihr was parat? "

" Das ist ein schwerer Apperat "
rutscht es dem jüngstem Kätzchen raus.
" da hilft vielleicht der gute rat,
man suche dort, im Adlerhaus. "

Kaum war's gesagt, war Schatten raus
und klimmte Berg an Berg empor.
Zum Adler ging's so hoch hinaus;
uns stellt euch vor: der Schatten fror.
Doch war es nur: die Vorfreude.

Ja, der Schatten, gar nichts scheute
und war auch bald am Adlerhorst.
Im Tal klingt leis', ein Geläute;
und flüstern rauscht: der Nadelforst.

Der Adler schaut. nach West, nach Ost
und blickt zum Schatten tief hinein.
Ein Windchen kommt: spielt Stille Post.
Schon spricht Aar, majestätisch fein:
" Mein Schattenschwarz! Ich kenn' die Pein.

Um einzigartig, wohl zu sein
und auch glücklich, mit geschäften.
Musst du zurück: ob gross, ob klein
und dich wieder, ihr anheften.

Informationen zum Gedicht: Der Schatten

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15.03.2012
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