Früher und Heute
Früher wurde auf Papier gedruckt,
Hass in Phrasen in Gassen gespuckt.
Flugblätter geklebt an Wand zu Wand,
flog nur langsam von Hand zu Hand.
Die Worte zwar laut mit Wut verfasst,
stumpfe Massen unter sich bespaßt.
Lokal gebunden, ideologisch organisiert,
physisch greifbar, wer da propagiert.
Man sah die Gesichter, hörte den Schrei,
paar Mal im Jahr zog Hetze vorbei.
Kaum Zeit, um Wurzeln zu schlagen,
musste reifen zwischen den Alltagen.
Heute informiert ein blinkendes Licht,
das Handy zeigt das falsche Gesicht.
Ein Algorithmus verstreut den Zorn,
brennendes Lauffeuer hält Hass vorn
Kein Zettel mehr an morschem Holz,
nur 0en und 1en im Wahn sehr stolz.
Es rast die Hetze ins weite Netz,
ohne Moral und ohne ein Gesetz.
Die Echokammer schreit im Chor,
stichelt Giftguss ins digitale Ohr.
Entgrenzt, dezentralisiert, verdeckt,
oft hinter anonymer Profile versteckt.
Im Wandel geblieben der dunkle Kern:
Der Mensch verleitet den Nächsten gern.
War’s früher Tinte, Plakat und Tratsch,
ruft heute der Klick zur Menschenhatz.
Egal ob auch wahr, die Wut bleibt stehn,
sie stachelt sich auf, nicht ungesehn.