Weg der Stille
Ein Gedicht von
Marcel Strömer
Wenn ich ruhig werde
und es auch will,
so spüre ich die Gnade,
die das Leben über mich gießt
wie Tau auf dürres Gras.
Wenn ich mein Ohr wach dir hinhalte
und deine Worte
in mein Herz forme,
nicht mit Eile,
sondern mit Ehrfurcht.
Wenn ich schweigend nicke,
obwohl es mich Kraft kostet,
und mich zwinge, sprachlos zu sein,
doch nicht gewissenlos,
sondern lauschend
auf das rechte Maß.
Wenn ich mir vorstelle,
wie das Leben friedvoll feiern könnte,
ohne Übermaß und ohne Mangel,
und ich das Maß bedenke,
das mir und den Anderen
zuträglich wäre.
Wenn ich vertraue
und glaube,
dass eine gute Zukunft ist,
nicht laut versprochen,
doch leise bereitet.
Dann gehe ich,
ohne es zu rühmen,
auf dem Weg der Liebe.
Nicht frei von Mühe,
nicht ohne Zweifel,
doch gehalten
von einer Güte,
die größer ist
als mein Verstehen.
Und mein Herz weiß:
Dieser Weg
ist kein ferner.
Er beginnt
im Stillwerden.
© Marcel Strömer
[Magdeburg, 02.02.2026]