Abgrund
Ein Gedicht von
Marcel Strömer
Wenn alles im Leben zerbricht
wie Eis unter einer unerbittlichen Sonne,
wenn mein Weg von Leid gepflastert ist
und ich keine Schuld erkenne,
die ich tragen müsste,
dann erinnere ich mich.
An eine Kindheit,
in der das Licht noch weich war.
An Hände, die pflegen wollten
und doch etwas in mir trafen,
das leise zu splittern begann.
Ich erinnere mich an die Sehnsucht
nach Freiheit,
nach Liebe,
mein Blick nach vorn gerichtet,
und dennoch war ich
ein Schattenkind im hellen Tag.
Ich erinnere mich an Nächte,
schwer von Ketten,
an Tränen,
die im Dunkel niemand sah.
Und an meinen Versuch,
dem Geheimnis Leben
ein Wort zu entreißen.
Ich hoffte auf Gott.
Auf Engel.
Auf ein Auge über mir,
das meinen Fall bemerkt.
Und manchmal glaube ich noch,
dass jemand meinen Weg führt,
mich hält,
wenn der Abgrund
meinen Namen ruft.
© Marcel Strömer
[Magdeburg, 16.02.2026]