Der Dorfschullehrer

Ein Gedicht von Klaus-Jürgen Schwarz
Der Dorfschullehrer Fröhlich


Er war nicht größer als anderthalb Meter,
in vielen Dingen war er ein Leisetreter,
er sagte von sich, er wäre halb Patriot und halb Pazifist,
doch zu keiner Zeit war er ein Egoist,

und stand er erst mannhaft hinter den Katheder
dann duldete er kein nervendes Gezeter,
bei ihm herrschte immer strenge, preußische Disziplin,
und Schnaps war für ihn die beste Medizin,

man erkannte ihn an seiner samtnen, speckigen Weste,
die trug er zu jedem Kirchenfeste,
oft nestelte er an seinem Gehrock herum,
er war nicht sehr gescheit, jedoch auch nicht dumm,

bei ihm sollte jeder Knabe ein Soldat werden,
er meinte stets, etwas Schöneres gebe es nicht auf Erden,
er lud sich selber bei Geburtstagen ein,
und goss sich genüsslich manch Harten rein,

mit Hochwürden Langrock stand er auf du und du,
er fand am sonntäglichen Gottesdienst erst seine innere Ruh,
es ist schade, dass es solche Exemplare nicht mehr gibt,
so mancher war in diese Exemplare ganz schön verliebt…

Informationen zum Gedicht: Der Dorfschullehrer

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27.01.2017
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