Frau Holles Apfelgarten

Ein Gedicht von Jürgen Wagner
Die Apfelbäume in dem Garten
der Frau Holle standen kahl
Keiner wusste, niemand konnte
Es war ein Jammer, eine Qual

Auf Erden wohnte eine Alte
der geriet ihr Garten wohl
Jeder sah und mancher staunte
Sie sorgte gut und liebevoll

Frau Holle rief zu sich den Liebsten
Junker Tod ritt schnell hinab
klopfte an der Tür der Alten
'Nun, gute Frau, ich hol Dich ab'

'Ich hab noch eine kleine Bitte,
die mir freundlich noch gewähr
lass uns Karten spielen, der Verlierer
verzichtet heut auf sein Begehr'

Die alte Frau war überlegen
wie es immer klarer schien
Spielte manchmal mit den Knechten
und gewann die drei Partien

Der Junker Tod, er musste passen
ritt beschämt zur Frau zurück
Diese zürnte, wies ihn ab
Er versucht noch mal sein Glück

Er ritt in den geweihten Nächten
macht' der Frau ein Angebot
Du sollst Himmelsgärten pflegen
Wenn Du nicht willst, ist keine Not

Ich bring Dich unversehrt zurück
Kannst Dein Leben weiterführ'n
Wenn Du magst, so kannst Du bleiben
und was And'res ausprobier'n

Die Alte sprach: Ich will Dir folgen
Kam ans Tor und sah hinein
Sprang als hübsches junges Mädchen
so gern in diesen alten Hain




In der Forschung streitet man sich, ob man Frau Holle von der 'huld'reichen Erdmutter oder von 'Hel', der Wächterin des Totenreiches ableiten soll. Tatsächlich hat sie in den vielen Sagen und Märchen beide Aspekte in sich vereinigt.

Informationen zum Gedicht: Frau Holles Apfelgarten

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02.01.2016
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Jürgen Wagner) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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