Die Sage vom Totenmaar
Ein Gedicht von
Jürgen Wagner
Im Eifelland, so wird erzählt,
hat einst ein Graf sich schnell vermählt
mit einer Frau so schön wie Gold,
doch gütig war sie nicht, nur hold
Sie wohnten in dem stolzen Schloss
mit Türmchen spitz und ihrem Spross
Der Vater war grad' der Jagd,
da kam ein Mütterchen und fragt:
"Oh habt Erbarmen, edle Frau,
auf Eure Hilf' ich heute bau
Ich hungere seit vielen Tagen
Ein Almosen würd' Euch nicht schaden!"
"Oh fort mit Euch und dem Geschwindel!
Ich hasse Lumpenpack, Gesindel
Die Hunde lass ich auf Euch hetzen
Die reißen Euch sogleich in Fetzen!"
Kaum hatte sie den Satz beendet,
da wurde sie vom Blitz geblendet
Es donnerte, wurd' schwarz im Nu
Der Himmel sprach sein Wort dazu
Die Erde, die fing an zu zittern
und jene Frau, die musste bibbern
Ein Schlund, der tat sich plötzlich auf,
verschlang das Schloss mit einem Schnauf
Da war sie hin, die ganze Pracht
Das Mütterchen, jedoch, gebt acht,
die rief die Wasser in den Grund
Da wurd ein See in jenem Schlund
Der Graf, der kam zurück nach Tagen
Er sah - und konnte nichts mehr sagen
Doch welch ein Wunder, ach Juchhe:
Ein Körbchen schwamm dort auf dem See
mit seinem Kind, das nichts getan
Das rettete ein höh'rer Plan
Sein Pferd, das scharrte freiheraus
am Ufer eine Quelle aus
Als Dank für Kind und diese Quelle
baute er eine Kapelle
Die steht noch heute still und klar
am Ufer von dem Totenmaar
Und schaust du nächtens in den See
und siehst was schimmern, ach herrje,
dann ist's wohl jenes Schloss vom Grafen,
versunken durch des Himmels Strafen
S. a. https://youtu.be/80R_1-Ylc70