Die große Reise

Ein Gedicht von Jürgen Wagner
Wenn das letzte Lied verklungen
Wenn das schöne Glas zersprungen
Wenn die Stunde hat geschlagen
Wenn's uns geht an jenen Kragen

Wenn die Lampe ist erloschen
Wenn die Vase jäh zerbrochen
Wenn der Baum ist mal gefallen
Wenn’s uns geht, wie vor uns allen

Geht’s in jenen alten Brunnen
In den keiner gern gesprungen
Gar auf eine grüne Wiese
In die Welt, die nicht mehr diese

Geht es auf die große Reise
Die verhüllt und lichtvoll leise
‚Himmelreich‘ sprach man, dort droben
Straße voller Milch da oben

Wo man wandert wie die Alten
Fügt sich höheren Gewalten
Kommt ans Haus der großen Mutter
Hat dort reichlich Platz und Futter

Dient den großen Weltgesetzen
Braucht sich aber nicht mehr hetzen
Wird zum Tor zurückgeleitet
Wird gesegnet und durchschreitet ...

Darf das Leben neu beginnen
Und sein Lied von neuem singen
Und die Blume mag erblühen
Und die Glut von neuem glühen

Auf dem Tisch die neue Vase
In dem Schrank das neue Glase
Bäumchen wächst heran beizeiten
Die große Mutter wird es leiten



Angelehnt an das Grimm'sche Märchen der Holle, die in alten Sagen als 'Huld' in der Welt erscheint, aber als Verborgene ('Verhohlene', Hel) auch das Totenreich hütet

Informationen zum Gedicht: Die große Reise

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11.01.2016
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Jürgen Wagner) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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