Die drei Schwestern von Andreasberg

Ein Gedicht von Jürgen Wagner
Drei Schwestern in Andreasberg
die war'n verliebt, man hat's bemerkt
Und jede wollte ihren Mann
ihr Glück mit allem Drum und Dran

Nur waren sie ganz ohne Geld
besaßen weder Haus noch Feld
Da riefen sie Frau Holle an
und die Geschicht' nahm ihren Gang

Am Kreuzweg kam in dunkler Nacht
die alte Frau - und wohlbedacht
gab sie den Dreien einen Rat:
Wer scheuert mir dort jenen Grat,

putzt diesen Fels ganz blitzeblank
erhält von mir den großen Dank
Den Älteren war dies zu schwer
Sie gingen heim, enttäuscht und leer

Die Jüngste nahm den Scheuersand
mit Bürste, Eimer, wie sie‘s fand
und schrubbte, bis der Morgen graut
ging dann nach Hause, nicht erbaut,

denn nichts geschah von alledem
die Schwestern ruhten aus bequem
Sie war am Ende und erschöpft
und wurde auch noch vorgeknöpft

Nicht lang danach, da gab es Streit
Bei ihren Schwestern war's soweit
Sie trennten sich von ihrem Held
da war es aus mit Gut und Geld

Ihr Bergmann, der dasselbe sah
dem wurd‘ es plötzlich sonnenklar
er wollte sie , ob reich ob arm:
Wir heiraten, dass Gott erbarm'!

Die Hochzeit war schon kurz danach
man feierte - und unterbrach
als eine Alte kam herein
es war nicht nur der Augenschein

Es war die Holle höchstpersönlich
sie gab ihr Gold, ganz ungewöhnlich
Ist das genug, mein liebes Kind?
Das ist für Dich und Euch bestimmt

Die Freude, die war riesengroß
man feierte fast grenzenlos
Die Mühe hatte sich gelohnt
von Armut blieben sie verschont








Die Sage der drei Schwestern vom Andreasberg klingt heute sehr moralisch als Belohnung der Fleißigen und Bestrafung derer, die lieber ins Bett gingen und schliefen. Tatsächlich hat diese Geschichte noch einen tieferen und sehr viel älteren Widerhall: wer den Rat eines Schamanen befolgt, der manchmal sehr ungewöhnlich sein kann, muss meist eine innere Grenze überschreiten und etwas scheinbar Unsinniges tun - aber löst dann manchmal auch eine äußere Blockade und kommt dann doch zu dem, was erstrebenswert ist.

Informationen zum Gedicht: Die drei Schwestern von Andreasberg

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13.01.2016
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Jürgen Wagner) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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