Walpurgisnacht

Ein Gedicht von Ingrid Spiller
Wir sitzen ums Feuer zu nächtlicher Stunde
und hören in vertrauter Runde
Geschichten von heilkundigen Frauen
wir sinnen und schauen
gebannt in die Flammen
was braut sich dort alles zusammen
es züngelt und knistert
es raunt und flüstert
bewegt und regt sich
heißer Atem streift mich
ganz nah an meinem Ohr
altes Wissen quillt plötzlich hervor
klar und deutlich seh' ich
begreife und versteh' ich
die ewige Formel vom Leben
und will sie eifrig weitergeben
um die Menschen zu retten
doch man legt mich in Ketten
will die Wahrheit nicht hören
und ich soll schwören
eine Hexe zu sein
da schreie ich NEIN - - -
und zucke zusammen
vor mir die Flammen
und lächelnde Gesichter im Feuerschein-
du musst wohl eingeschlafen sein
hast das ganze Ritual versäumt
dafür hast du schön geträumt-
ich nicke nur - mir ist kalt
Nebelschwaden wehen her vom Wald
ich starre in die letzte Glut
aber ich sehe kein Feuer - nur Blut

© Ingrid Spiller 2014

Informationen zum Gedicht: Walpurgisnacht

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29.04.2014
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