Minuten der Trennung von dem Kostbarsten, das ich besitze

Ein Gedicht von Horst Hesche
Durch schwarzen Rauch verhüllt
sah ich sehr oft über Aleppo die Sonne verschwinden .
Tödliches Feuer, entsetzliches Elend
zwangen zur Flucht aus unserer Heimatstadt.

Die Seelen meiner ermordeten Eltern und Brüder
trugen mich und Tochter Aleyna
durch Kälte und Wind,
mit Angst und Entbehrung
selbst über das Meer,
alles mit dem einzigen Wunsch und der Hoffnung
auf Rettung und Schutz,
auf ein Leben in Frieden.

Nach Tagen und Nächten in Idomeni,
in Kälte und Regen,
ganz nah an der Verzweiflung,
ergab sich scheinbar ein Ausweg.

Ein Menschenstrom durchquerte
die eisigen Fluten des Suva reka.
Auch ich erhoffte mir davon die Rettung.

Eiskaltes Wasser, reißende Strömung -
Ich stürzte - in meinen Armen die kleine Aleyna.
Uns drohte ein grausiger Tod!
Doch rettende Helfer waren zur Stelle,
erfassten, überreichten von Hand zu Hand
mein einziges Glück.
Zitternd vor Angst und vor Kälte,
doch glücklich im Herzen
schloss ich Aleyna am rettenden Ufer
wieder in meine Arme.

Dort jedoch, erwartete man uns
mit Knüppeln, Tränengas und Stacheldraht.

Allah ist groß!
Gütiger, barmherziger Gott!
Du gabst uns die Kraft,
das alles zu überstehen!
Dir danken wir!

Informationen zum Gedicht: Minuten der Trennung von dem Kostbarsten, das ich besitze

457 mal gelesen
(2 Personen haben das Gedicht bewertet. Der Durchschnitt beträgt 4,5 von 5 Sternen)
1
29.03.2016
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Horst Hesche) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
Anzeige