Traumnöte

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Traumnöte

Jahrelang verfolgte er mich im Schlaf:
Der abgeschlagene Kopf eines Gockels,
Mitunter auch das geschlachtete Schaf
Oder die Augen eines jungen Mockels.

Erst später sah ich als Erwachsener dann
Im Traum die Schönheit des Pferdes.
Die Grausamkeiten wandelten sich irgendwann
Weg von den Töpfen des Herdes.

Zwar mag Leben auch Leben kosten,
Doch ist es nicht eignes – es ist fremdes!
Der Koch und der Metzger auf dem Posten
Tragen Zeichen des weißen Hemdes.

Ist nicht Weiß ein Zeichen des Friedens?
Wird damit nicht Humanität signalisiert?
Ist es noch ein Zeichen das Abschiedens,
Zu dem Menschen ihr Handeln verführt?

Da ist dann tot, was brutzelt und dampft,
Ganz verändert – weil nichts mehr zappelt.
Der Koch schneidet frei und unverkrampft,
Was sich nun nicht mehr berappelt.

Ach, könnte Genuss ohne Leichenteile
Doch Genusssinne endlich erfüllen!
Das läge nah meinem Seelenheile,
Könnte tagwärts auch Hunger stillen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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Informationen zum Gedicht: Traumnöte

46 mal gelesen
03.09.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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