Lebensvermessung

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Lebensvermessung

Da fiel mir doch in meine Hände
Ein Fragebogen für das Alter,
Um auszuloten gleich behende
Lebenserwartung, Lebensalter.

Es gibt so viele, gute Bögen,
Mit denen man schließlich begreift,
Ob uns die weiteren Jahre mögen,
Weil wir gesund dorthin gereist.

Ich will daran gar nicht teilnehmen,
Denn meine Zeit scheint sehr begrenzt;
Doch muss das Alrer sich nicht schämen,
Wenn es noch wenig geistbeglänzt.

So fragte ich mein bestes Stück,
Ob es bereit zu diesen Fragen
Mit Antwort, Ehrlichkeit im Blick,
Um jede Antwort zu ertragen.

Als ich die Liebste nun befragt,
Musste ich ihrer Wahrheit folgen:
Sie war ehrlich und nicht verzagt –
Und ich fiel nun aus allen Wolken!

Mit Siebzig ist sie Achtundfünfzig,
Zwölf Jahre jünger nun tatsächlich:
Gesund lebt sie, ihr Karma günstig,
Alles andre ist nebensächlich.

Noch mehr waren wir überrascht,
Als Lebenserwartung ausgewertet
Und ich dreimal und ohne Hast
Ihr sagen konnt', wie sie geerdet:

Wenn's gutgeht wird sie Hundertneun –
Es darf halt nichts dazwischen kommen! –
Wird sich mit sechzehn Enkeln freu'n,
Weil sie nicht raucht und nichts genommen.

Die Eltern wurden bei ihr alt,
Sie läuft noch lange jeden Tag,
Meidet das Ungesunde halt,
Ist glücklich, weil sie selbst sich mag.



©Hans Hartmut Karg
2019

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Informationen zum Gedicht: Lebensvermessung

29 mal gelesen
27.06.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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