Im Stadtbus

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Im Stadtbus

Da saßen stolz zwei alte Damen,
Die unterhielten sich famos.
Weil sie sich so auch näher kamen,
Plauderte man ständig, pausenlos.

Der ganze Bus konnte zuhören,
Wer da mit wem verbandelt war,
Und eine jede konnte schwören,
Dass alles wirklich, alles wahr.

Langsam bemerkten sie dann doch,
Dass offen im Bus alle Ohren,
Was sehr nach Regenbogen roch,
Worauf sie sich da eingeschworen.

Deshalb schlug nun die eine vor,
Sich beim Discounter heut' zu treffen,
Damit man ja kein Wort verlor –
Nach dem Besuch bei ihrem Neffen.

Der andere Vorschlag kam von Zweiter:
„Gespräche auf dem Friedhof führen!“
Man sei geschützt und kommt auch weiter
Mit den Gerüchten, Starallüren.

„Die Toten hören uns nicht zu
Und niemand wird uns widersprechen,
Wenn larmoyant bei Friedhofsruh'
Die Regenbogenwelt wir necken.“

So ist das mit sozialen Dingen:
Auch wenn sie offen ausgebreitet,
Will heimlich man um Eigenes ringen –
Selbst durchgemixt und aufbereitet...


©Hans Hartmut Karg
2019

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Informationen zum Gedicht: Im Stadtbus

18 mal gelesen
24.05.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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