Höllenkindheit
Höllenkindheit
An den Sprudeldüsen lernte ich ihn kennen,
Den großen, alten, goldbehängten Mann.
Seinen Namen musste er nicht nennen,
Weil so man sich auch unterhalten kann.
Vom Vater waren er, Mutter geschlagen worden,
Alkohol und Gewalt trieben den Vater dazu an.
Als wollte er die Beiden jedes Mal ermorden,
So schlug er zu – weil er nicht anders kann.
Mit 17 floh der Erzähler aus dem Elternhaus,
Er hatte alle Schulwege längst abgebrochen.
Spielsüchtig, rauchend lebte er in Saus und Braus,
Jetzt hatte er für sich den Geldbraten gerochen.
Gehandelt mit Altmetall und den alten Reifen,
Damit verdiente er recht viel – für Spielautomaten,
Konnte seine Erinnerungen jedoch nicht abstreifen
Und schritt dennoch zu seinen ersten Liebestaten.
Dreimal war er in diesem Leben verheiratet gewesen
Und dreimal hat es mit der Liebe nicht geklappt,
Denn wer geschlagen, nicht geliebt als Kinderwesen
Mit Zuneigung, der hat später diese auch gekappt.
Oft ist es so: Wer nicht geliebt als Kind, kann Liebe
In späterem Leben nicht in Beziehung weitergeben,
Doch hat er jeder Frau ein Haus gebaut. Die Hiebe
Allerdings belasten bis heute weiterhin sein Leben.
So hat er jeden Tag in seinen Wandspiegel geschaut
Und sich dort selbst ein anhaltendes Lächeln geschenkt,
Auf diese Weise gegen Trübsinn und Lebensängste vorgebaut
Und sich zu frohsinnigem Denken eigenmächtig hingelenkt.
©Hans Hartmut Karg
2026
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