Sieh da!

Ein Gedicht von Eva Pietsch
Sieh da! (09.07.2018)

Beim Blick in den Spiegel bekam ich einen Schreck.
Mein Spiegelbild war - einfach weg.
Schaute ich ihm vielleicht zu verschlafen?
Wollte es mich dafür bestrafen?
Oder lag’s womöglich doch an mir,
und ich war selbst noch gar nicht hier?
Prüfend griff ich mir ins Gesicht.
Ich war da. An mir lag’s nicht.

Auf einmal kam mir ein Verdacht.
Ich tastete über die Ablage sacht,
wo ich Bürste und Brille fand.
Mit ersterer scheitelte ich elegant
das Haar und, wie sich’s gehört für Brillen,
platzierte ich zweitere vor den Pupillen.
Mein Gegenüber, da war’s plötzlich wieder.
Es guckte gescheitelt, bebrillt und bieder.

Sieh da: Für einen Auftritt ohne Brille und Scheitel
war mein Spiegelbild bloß zu eitel.
Auch wäre ihm nicht in den Sinn gekommen,
sich mir zu zeigen in verschwommen.

Informationen zum Gedicht: Sieh da!

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28.02.2021
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Eva Pietsch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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