Und wieder gähnt der Orkus

Ein Gedicht von Anouk Ferez
Als weiße Sense frisst du dich
durch Wolkenfelder,
knöcherner Mond,
hängst nach getaner Arbeit
matt überm Morast
als wenn‘s gestattet wär
zu sterben.

Schwefelgelbe Fahnen,
auf, auf,
entsteigt dem Orkus!

Keine Bö lässt euch flattern,
meine Kinder der Angst,
faul hängt ihr der Nacht
ins hungrige Maul.
Es fächeln die Bäume
mir Schatten zu.
Ach, ihr Astlochgrinsen
schwängert die Stille
mit Blasphemie.
Hört,
auf dem Grund meiner Kehle
zerschellt ein Schrei.

Uhu, dein Ruf
irrlichtert durchs Dunkel.
Wann springt dein Blick mich an?
So sacht küsst die Panik mich ins Genick,
bevor sie mich zur Beute macht.

Rose, Rose, tu dich auf!
Dein Schlund klafft tief
unter schwarzen Petalen.
Und ich, ich beug mich demutsvoll,
leg stumm den Stein der Weisen
mitten hinein.

© Anouk Ferez 6-2015

Informationen zum Gedicht: Und wieder gähnt der Orkus

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(Es hat bisher keiner das Gedicht bewertet)
08.06.2015
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