Morgenüberlegung

Ein Gedicht von Andreas Hanschke
Heute Morgen, als ich aufstand,
da hab ich kurz überlegt,
war ich gestern nur auf Erden,
oder hab ich was bewegt.

Hab die Umwelt ich verpestet,
oder einfach nur genervt,
hab das Lügenblatt gelesen,
oder den Verstand geschärft.

Hab ich meiner Frau bewiesen,
dass sie Mittelpunkt mir ist,
kam ich ehrlich an die Kohle,
oder nur durch eine List.

War den Kindern ich ein Vorbild,
oder haben sie's jetzt schwer,
saß ich pöbelnd in der S-Bahn,
Morgens im Berufsverkehr.

Habe Mitleid ich empfunden,
als ner alten Frau Gebiss,
ihr beim Niesen aus dem Mund fiel,
direkt in nen Hundeschiss.

Ist die Welt in der ich lebe,
den Bekloppten Untertan,
oder Spielwiese der Waisen,
mit 'n bissl Größenwahn.

Saß beim Pfarrer ich mit Tränen,
um zu kriegen nen Schluck Wein,
wars zuviel, dass ichs vergessen,
vielleicht fällts mir wieder ein.

Habe ich, was wirklich wichtig,
gestern überhaupt gelacht,
oder wenigsten die Lippen,
zu nem Grinsen breit gemacht.

Morgen früh werd ich erwachen,
fühl mich wieder wunderbar,
denke nach über das heute,
was dann morgen gestern war.

Informationen zum Gedicht: Morgenüberlegung

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05.12.2019
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