Wir kreisen und reisen im gleichen Tempo

Ein Gedicht von Lisa Nicolis
***

Wie leicht scheint es bei anderen,
 sich einfach raus zu setzen. 
Wenn ich das soll, fliegen bei mir
zumeist auch alle Fetzen. 

Ich hadere, zerreiße mich 
und werde richtig krank,
Am Ende lande ich dann doch 
nicht auf der Gartenbank.

Mich trösten? Nein, ich bitte dich,!
Das hab ich nicht so gern. 
Dir scheint es so, als käme ich
von einem andren Stern.

Du denkst,
dort nennt sich's "draußen" „drin“ 
und drin ist angesagt.
Geh ich da raus, bin ich auch drin 
- im Garten, das ist Fakt.

Nun, sei mal ehrlich, was ich sag,
das ist doch nicht so dumm. 
Und, hey, ich kreise jeden Tag 
um unsre Sonne rum!!

Die gleiche Strecke, die auch du 
tagtäglich hinterlegst. 
Sage jetzt nicht,
(das ist der Clou)
dass du dich mehr als ich bewegst.

Lisa Nicolis

Ich „leide“ seit Jahrzehnten an Agoraphobie, mal in besseren, mal in engeren Phasen. Habe mich mit meiner Angst (sie heißt Samantha) arrangiert und wir kommen gut zurecht.
Mich nervt nur jeder, der davon keine Ahnung hat und mir mit
“schau mal, wie schön heute das Wetter ist“, „willst du heute nicht paar Schritte gehen ?“,
„ warst du heute schon draußen?“kommt.
Wenn ich das wollen wollte, würde ich es wollen, wenn ich aber nicht wollen will, dann will ich es nicht. Mein Knax im Kopp sagt mir immer, wann ich bereit bin, meine vier Wände zu verlassen.
Kommt seltener vor, aber so haben wir das geregelt.
Ich glaube, ich nagle mir das Gedicht an die Eingangstür!
;-)

Informationen zum Gedicht: Wir kreisen und reisen im gleichen Tempo

10 mal gelesen
-
24.04.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Lisa Nicolis) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.