Warum Sturmmöwen auf Dächern brüten
Ein Gedicht von
Eva Pietsch
Am Strand, wo Möwen einst Nester bauten,
liegen heutzutage die vielen lauten
Touristen, eine jeder auf seinem Tuch.
Das steht so in keinem Vogelbuch.
Die wollen da in der Sonne braten.
Den Sturmmöwen schien es drum angeraten,
an einen ruhigeren Ort zu entfliehen,
um dort ihre Kinder aufzuziehen.
Da ihr gemütliches Leben am Strand nun vorbei war,
nahmen sie eben den Platz, der noch frei war.
und wählten als müden Ersatz die tristen
Flachdächer der Stadt, um auf ihnen zu nisten.
Um die Aufmerksamkeit ihrer Brut zu erheischen,
übertönen sich da nun die Möwen beim Kreischen.
Sie selbst bezeichnen das als Gesang.
Wie dem auch sei - besagter Klang
der Möwen im gemischten Chor
drang vordem an keines Städters Ohr.
Heut' bereitet ihnen an Nichtbadetagen
die Geräuschkulisse Unbehagen.
Nur für Verkehrslärm sind sie unsensibel.
Den Möwengesang nehmen sie diesen übel.
Auf ihrenden Vorschlag, an den Wochentagen
ihre Nester doch an den Strand zu tragen,
haben die Möwen sich nicht eingelassen.
Das will so manchem Städter nicht passen.
Anstatt auf die Möwen zu schimpfen, die bösen,
wär‘s doch besser, schien mir, das Problem zu lösen.
Ich empfehle, meiner Idee zu lauschen:
Am einfachsten wär‘ es, die Plätze zu tauschen.
Künftig seien, um in der Sonne zu baden,
die Städter herzlich eingeladen,
auf ihren eigenen flachen Dächern
die Badetücher aufzufächern,
denn wenn sie sich nicht am Strand ausbreiten,
gibt es auch keinen Grund, mit Möwen zu streiten.
Diesen überlasse man wieder den Strand.
Damit wäre das Problem gebannt.
Meine Lösung, man wird es mir bescheinigen,
hat Potential, den Konflikt zu bereinigen.
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