Vorbild

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Man lobte meine Mutter,
weil sie sich
nie etwas gönnte.

Beim Essen
nahm sie das kleinste Stück
und sagte,
sie habe keinen Hunger.

Wir glaubten ihr.
Es war genug
für uns da.

Später machte ich es
genauso.

Bis meine Tochter
ihren Kuchen
zu mir schob.

Sie hatte
das größere Stück genommen
und sah mich an,
als müsste sie sich
entschuldigen.

Seitdem übe ich,
vor ihren Augen
etwas haben zu wollen.

Sie soll mir
nicht alles
nachmachen.

Informationen zum Gedicht: Vorbild

20.09.2026
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