Unzufriedenheit

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Unzufriedenheit

Europa war noch nie so reich
Und niemals so friedfertig
Wie heut', wo alle Staaten gleich
Und keiner minderwertig.

Mit Fleiß, mit Schweiß, starkem Verstand
Hat man Erfindungen viele erschaffen,
Begründet Glück und den Wohlstand –
Und wird es so auch weiter schaffen!

Doch da nagt Unzufriedenheit,
Wo alle friedlich ihr Auskommen,
Denn Fakenews, Ehrgeiz, Eitelkeit
Wollen uns nicht so recht bekommen.

Wer viel hat, der will noch viel mehr
Und bleibt doch unzufrieden.
Da hat's der alte Erdteil schwer:
Man hadert sehr hienieden!

Die Mutter will nicht gerne kochen
Und auch die Kinder nicht betreuen,
Denn ihr ist tief ins Herz gekrochen,
Dass sie beruflich sich will freuen.

Dem Vater schwindet die Karriere,
Weil andere zum Zuge kommen.
Trotz Reichtum wächst die innere Leere,
Wo Anerkennung ihm genommen.

Die Kinder zicken und sie zagen,
Sind nur noch virtuell am Leben,
Haben sich deshalb nichts zu sagen
Und wollen schulisch leise treten.

Wie kann sich jemand da noch freuen,
Wo Menschen anerkennungskrank
Trotz Urlaub, Sattheit Fatum bereuen
Mit Lebensläufen voll Undank?

Wo jeder meint, er sei der Größte
Und müsse Anerkennung finden,
Weil man beruflich alles löste
In einem Leben ohne Sünden,

Der hat das Schicksal nicht begriffen,
Das keine Anerkennung kennt,
Weil es die Augen zugekniffen
Nur im Sekundenzeiger rennt.

Die Anerkennung kann erlangen,
Wer sich selbst sieht in Lebensfreiheit.
Das Danken muss bei ihm anfangen,
Dann bringt es auch Zufriedenheit.


©Hans Hartmut Karg
2019

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Informationen zum Gedicht: Unzufriedenheit

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03.03.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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