Überqualifiziert
Die Sorgen, die sie nachts umtreiben,
wollen nicht im Bette bleiben,
stehen früh schon mit ihr auf,
der Tag nimmt wieder seinen Lauf.
Arbeitssuche, Lebenslauf schreiben,
immer schön bescheiden bleiben,
Rad aufpumpen, ab zur Post,
Einkaufen gehen, bescheidene Kost.
So geht das nun tagaus, tagein.
Kein Lichtblick, isoliert, allein.
Freunde, die sie einst gekannt,
haben sich längst abgewandt.
Sie hat jahrelang studiert,
zwischendurch noch promoviert,
doch keine Chancen auf einen Job.
Überqualifiziert“ oder „Einstellungs-Stopp“.
Sie spürt Verzweiflung, keine Frage,
täglich verschlimmert sich die Lage,
fühlt sich wie ein Harz-Vier- Empfänger,
die Zeit verrinnt, es wird nun enger.
Familienplanung steht hinten an,
weil sie es sich nicht leisten kann,
von einem „Doktor-Titel“ wird man nicht satt.
Wohl dem, der heute Arbeit hat.
Die Zukunft sieht nicht rosig aus,
sie geht nur ungern aus dem Haus,
hört wie der Postbote pfeift und singt,
während er schlechte Botschaft bringt.
Sie ist traurig, wenn sie die Post aufmacht,
kommt selten vor, dass sie mal lacht,
dieses Bangen, vergeblich hoffen,
macht die junge Frau betroffen.
Ein Funken Hoffnung huscht übers Gesicht:
Ein Vorstellungsgespräch. Im Tunnel Licht!
Wenn es diesmal klappt, wäre es schön,
dann könnte sie sorglos in die Zukunft sehen.
Das könnte Sie auch interessieren