Stelldichein

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Stelldichein

Sie kommt stets elegant gefahren
In ihrem Auto, oft in Schwarz,
Ist dabei niemals abgefahren,
Will sehen ihn im fernen Harz.

Sie treffen sich oft auf dem Brocken,
Weil niemand sie dort leicht erkennt,
Sind zärtlich und ganz unerschrocken,
Wo er sie immer „Liebste“ nennt.

Beide sind sie ganz fest gebunden,
Lieben das Angestammte noch,
Haben sich hier nur eingefunden,
Sind treu den Ehegatten doch.

Das hört sich vielleicht schiefer an,
Als es in Wirklichkeit sich bietet,
Wenn fremdgehen nun Frau und Mann,
Wo man ein Zimmer man sich mietet.

Das Techtelmechtel sehen sie,
Das heimliche Beisammen auch,
Doch wollen sie verlassen nie
Die eigene Ehe, ihren Brauch.

Heimlichkeit reizt alle Sinne,
Weil Turteln nicht mit Ferne geizt,
Damit das Leben neu gewinne,
Was in Routine oft nicht reizt.

Dann kehren sie leichter zurück,
Wenn sie am Harz sich konnten finden,
Kehren heim in bewährtes Glück,
Denn Altgewohntes darf nicht schwinden.


©Hans Hartmut Karg
2020

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Informationen zum Gedicht: Stelldichein

24 mal gelesen
26.03.2020
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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