Solange es heute ist

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Das Rad fragt nicht,
wohin du willst.

Es braucht keine Richtung,
nur deine Füße.

Du läufst,
füllst Kalender und Konten
und nennst den Verschleiß
Leben.

„Morgen gibt es Marmelade
und gestern gab es welche,
nur heute gibt es nie Marmelade“,
sagt die Weiße Königin
zu Alice
im Land hinter den Spiegeln.

Zwischen gestern und morgen
vergeht lautlos der Tag,
der dich leben wollte.

Darum bleib stehen.
Ruf an.
Küss.
Geh hinaus.
Sag, was wahr ist.

Nicht später.

Heute.

Denn irgendwann
wird es morgen sein —
und du
wirst nicht darin vorkommen.

Informationen zum Gedicht: Solange es heute ist

08.08.2026
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