Smartphoneabhängigkeitsverhalten

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
- Fiktion -

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Vor Wind und Wetter gut geschützt
sitzt er tagtäglich auf einer Bank,
Smartphone hat er auf Schenkel gestützt,
sein Rücken lehnt nicht an der Wand.
-2-
Kapuze in Stirn gezogen
gibt der Mann sich nicht zu erkennen,
sein Rücken ist nach vorn gebogen,
vom starren Blick Augen brennen.
-3-
In jeder freien Minute
fischt er sein Smartphone aus der Tasche,
in Wallung gerät sein Blute,
ihn begleitet stets die Schnapsflasche.
-4-
Smartphone legt er nicht aus der Hand,
derweil viele Stunden verrinnen,
man spürt die unsichtbare Wand,
Begegnung kann so nicht gelingen.
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Er verschließt sich, meidet Kontakt,
taucht in die digitale Welt ab,
darin seelisch, geistig versackt,
sein Kopf hängt unablässig herab.
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Egal wer kommt, er schaut nicht auf,
seine Blicke Smartphone fixieren
er klebt fast mit der Nase drauf,
hört nicht auf, aufs Display zu stieren.
-7-
Seine Hand zu zittern beginnt,
Smartphone ist „verwachsen“ mit der Hand,
energetisch sein Hirn durchdringt,
es verschieben sich die Sehachsen.
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Seine Hand allmählich erlahmt,
im „Wischdaumen“ schmerzt die Arthrose,
sein steifer Nacken ihn ermahnt,
doch Ermahnung geht in die Hose.
-9-
Die Schnapsflasche hat er geleert,
sein Smartphone geladen werden muss,
drum nach Hause er zurückkehrt
steigt torkelnd ein in den letzten Bus.

Informationen zum Gedicht: Smartphoneabhängigkeitsverhalten

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13.03.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.