Schluchten aus Metall und Mut
Ein Gedicht von
Max Vödisch
In Schluchten, wo sich Rauch und Morgen mischen,
geht Pegasus auf Wegen, die im Dunkel zischen.
Aus Staub und Atem sanft geformt sein Leib,
ein leises Echo, das im Wind verbleibt.
Sein Hufschlag hallt wie ein verlor’nes Zeichen
durch Welten, die dem grauen Stahl nun weichen.
Er sucht kein Reich, das oben hell erglänzt,
nur still ein Land, das keine Reue kennt.
Im Brückenschatten, wo der Lärm verhallt,
ruht Phönix tief, uralt und doch nicht alt.
Sein Kleid aus Ruß und Asche, grau und schwer,
bewahrt die Glut der kommenden Wiederkehr.
Er häutet sich im Takt der lauten Städte,
die jeden Abend sterben, Kette um Kette.
Steigt er dann auf, riecht Welt nach Neubeginn —
doch niemand weiß, wie lang er dort verglimmt.
Ein Ikarus sitzt stumm am Gleisesrand,
die Sehnsucht tief in seine Brust gebrannt.
Mit Händen voll verlor’ner Himmelshöhen
wagt er den Flug, lässt Mut den Wind umwehen.
Er baut aus Zetteln Flügel, zart und schmal,
ignoriert Warnung, Kälte, jede Qual.
Sein Sturz ist kein Versagen, keine Schande,
nur ein Gruß an Brüder im Flammenlande.
Und manchmal, wenn die Wege sich verbiegen,
wo Straßen steil zum Himmelsrande stiegen,
dort treffen sie sich stumm im Dämmerschein:
Pegasus schweigt, der Phönix glüht allein.
Ikarus lächelt, wissend um die Not.
Drei aus Licht und Glut, vereint im Abendrot.
Sie kennen nicht das Ziel, wohin sie geh’n
doch wissen sie: Sie dürfen nicht stillsteh’n.
Das könnte Sie auch interessieren