Rauch und Sehnsucht
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Vieles hat man dir genommen,
was verloren schien so lang;
im Rauch bist du dir neu entglommen,
als ein neuer Traum begann.
Du nimmst den letzten Zug im Schweigen,
die Sehnsucht hebt zum Flug sich an;
als würden ferne Sterne steigen
und wiesen dir die stille Bahn.
Zurück bleibt mancher alte Schmerz,
verblasst im Dunst der späten Nacht;
nur eine Spur berührt dein Herz,
die leise über Hoffnung wacht.
Benommen von den Rauchspiralen
taumelst du zwischen Traum und Sein;
der Gipfel hinter fernen Schalen
scheint unerreichbar, hart wie Stein.
Warum fühlst du dich fremd und bieder,
als stündest du am Rand der Welt,
wo manche schrillen, bunten Lieder
nur feiern, was die Taschen hält?
Ein stetes Auf- und Niederdrängen,
ein Hin und Her in deiner Brust;
Sorgen, die dich in Fesseln zwängen,
verdrängen fast die Lebenslust.
Das Geld zerrinnt in müden Händen,
die Taschen kahl, das Herz wird schwer;
du fragst dich, wann die Mühen enden,
ob Hoffnung überhaupt noch wär.
Rückt schon der Schatten näher her?
Ist Zukunft nur ein welkes Blatt?
Die Angst rollt an wie dunkles Meer,
das kaum noch Trost in Wellen hat.
Du treibst im Boot auf dunklen Wogen,
der Sturm zerreißt das letzte Licht;
doch etwas hat dich fortgezogen,
ein Ruf, der leise Mut verspricht.
Dann hältst du inne, still und sacht,
und fragst die Nacht nach ihrem Sinn;
trotz allem, was dir Angst gemacht,
spürst du: Noch liegt ein Morgen drin.
Das Boot treibt durch die dunklen Stunden,
der neue Tag liegt fern und still;
doch dein Herz hat sich neu gefunden
und wählt das Ufer, das es will.
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