Pflegekind

Ein Gedicht von Marcel Strömer
Sie legen mir Roben an
lieblos und Häme,
jeder Stich Spott,
Urteile als Willkür.

Kalk auf meinem Schädel,
Verdautes ins Gesicht,
nur in der Dunkelheit brennt es.
Sie hassen mein Licht.

"Fesselt ihn, mit krallenden Glieder"
zur Strafe in die Dunkelkammer,
"Wer nicht arbeitet,
soll auch nicht essen",
das ist ihre Sprache.
Vereist ihre Wörter
treiben sie mir ins Mark.

Einsamkeit - meine Verbündete,
schenkt Disteln, mal Dornenstrauch
- ziert mir die Schultern Unschuld.
Ihr Lachen macht mich sinnlos.

"Herr" – ich rufe..
Was mich retten sollte
hast du preisgegeben.

Ich war noch klein.
In engen Kinderaugen
wächst ein Spiegel,
er zeigte nur Schatten.

In der Fremde sitzen sie,
heute noch,
lästern oder schweigen.

Selbst ihre Kinder -
ich war ihr Bruder
Am Galgen lassen sie mich hängen.

Sie opfern mich..

In mir Angst,
unbändige Wut,
dann Schweigen,
so machten sie mich
zu ihrem Täter.


© Marcel Strömer
[Magdeburg, 06.02.2026]

Informationen zum Gedicht: Pflegekind

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06.02.2026
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