Naturwüchsigkeit

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Naturwüchsigkeit

Finden wir zur Zeit noch die Wende,
Wenn alles schon in globalem Sein,
Wo ganz mobil und ohne Hände
Ein Überall kann ernsthaft sein?

Lassen wir es uns gefallen
Naturbande blind zu zerschneiden,
Dabei in völlig fremden Hallen
Auf Zentrifugalkräften zu reiten?

Wie war das Einheimische uns lieb,
Selbst Neuheimat ein guter Halt,
Wo uns nie nahm ein Seelendieb
Das Hausrecht, heimlich, mit Gewalt!

Was einmal doch so eng begann,
Durchkreuzten alsbald neue Kräfte
Mit netzwerkendem, fremdem Hang
Und Außenflucht für neue Schäfte.

Dort sah ich, wie in fernen Küchen
Man ebenfalls mit Wasser kochte,
Bei Fremdgewürzen und Wohlgerüchen
Man sehnend auf Vertrautes pochte.

Das Einheimische ward mir fremd,
Das Fremde überwältigt' mich,
Wo doch trotz Haus und altem Hemd
Die Seele längst entfremdet sich.

Leicht ist es, jung sich zu erlauben
Mit Neugier in Neuland zu sehen.
Doch selbst wo Zimt und reife Trauben
Lässt Sehnen uns auf Rückkehr gehen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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Informationen zum Gedicht: Naturwüchsigkeit

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27.11.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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